Etiquette, bey den Kauf= und Handelsleuten, ein Stückchen Papier oder Pergament, welches man an einer Sache anheftet, um sich bey Gelegenheit ihres Preises oder ihrer Güte zu erinnern.

Im Geld= und Wechselhandel, pflegen die Cassiere der Banquiers dergleichen Etiquetten oder Zettelchen auf die Geldbeutel zu binden, oder zu heften, welche ihr Gewicht und die darinn befindliche Summe, auch wohl zuweilen die Person, von der sie solche empfangen haben, anzeigen. Gleichergestalt ist es auch in der Waarenhandlung, und insonderheit bey den Krämern, oder denen, die en detail handeln, gebräuchlich, an die Stücke Zeug oder auf die Packete von Waaren eine Etiquette zu binden oder anzuheften, welche die Nummer oder das Zeichen des Kaufmanns enthält, worunter sie den wahren Preis davon verbergen. Man füget auch wohl darauf das Ellenmaß vom ganzen Stücke bey, und wie viel bereits davon abgenommen worden.

Von den Apothekern werden ebenfalls solche Etiquetten oder Zettelchen auf die Gläser, Büchsen und Schachteln, zur Unterscheidung der darinn befindlichen Arzeneyen, und zum Behuf des Gedächtnisses, angeleimet.

 

(aus: Oeconomischen Encyclopädie (1773 - 1858) von J. G. Krünitz)